Die Perle des Südburgenlandes

Die Glocken in Güssing, 20.9.1925

- Von P. Gratian Leser -

Im Weltkrieg traf auch unseren Glocken das allgemeine Los. Es mussten von der Kloster- und St. Jakobikirche 2—2, vom Schlossberg, aus Rosenberg und Langzeil 1 — 1 Glocke das kg. Erz um 4 Kronen gerechnet abgegeben werden. Während die Rosenberger und Langzeiler schon früher zu ihren Glocken gelangten, hat man in der inneren Stadt Güssing derselben noch lange zu harren. Doch auch hier ruhte man nicht und suchte durch öfteres Geldsammeln die nötige Summe zusammenzubringen. Anfangs floss verhältnismässig wenig ein. Da man aber sah, dass alle umliegenden, selbst die kleinsten Gemeinden ihres Geläutes sich erfreuen und der Schulstuhl an der Spitze des neuen Quardian P. Alphons Pfeiffer die Sache ernst in die Hand nahm, brachten die letzten Sammlungen in Güssing und in den umliegenden Filialgemeinden mit dem begonnenen Volksfeste einen so glänzenden Erfolg, dass zu Ende Juni 1. J. zur Bestellung von 4 Glocken geschritten werden konnte. Der Schulstuhl beauftragte die Giessung derselben mit dem Wunsche bis Ende August damit fertig zu werden, der bewährten Firma Max Samassa in Wienerneustadr, die die Herstel­lung das kg. Erz um 5,30 S gerechnet über­nahm. Zur festgesetzten Zeit gelangten die Glocken auch wirklich an und so konnte die Einweihung am 6. Sept. stattfinden. Es wird nun so mancher von den geehrten Spendern fragen, wie viel Geld konnte wohl bei den Sammlungen eingeflos­sen sein und wie schwer sind die neuen Glocken?

Darüber will ich nun einen kurzen Be­richt erstatten. Da die Zahl der geehrten Spender in und um Güssing wie in dem entfernten Amerika so gross ist, dass zu deren namentliche Aufzählung kaum die ganze Zeitung hinreichte und mit Rücksicht auf Fremde ein Blatt mit lauter Namen nicht aus­ gefüllt werden kann, möge es mir gestattet sein, die eingeflossenen Spenden nebst den einzelnen Sammlern summarisch bekannt zu geben.

In Güssing samt Rosenberg und Langzeil sammelten zu verschiedenen Zeiten Josef Bodisch, Joh. Kristofits, Franz Hochschopf, Richard Gerger, Franz Wukitsch vorzüglich aber August Artinger und Stefan Klee in Schilling gerechnet zusammen 1826,70. Der Reinertrag beim Volksfeste belief sich auf 852,20, die Einkünfte bei der Glockenweihe mit den Spenden der Glockenmüttern machten 936,50 aus. Aus Amerika wurden 44 zuge­sandt. In Privatspenden flossen 322,45 ein. In den Fiiialgemeinden sammelten und zwar in Grossmürbisch P. Florid und Lehrer Anton Szucsics 214,70, in St. Nikolaus P. Florid und Jos. Jandrasits 195,40, in Glasing Lehrerin Helene Zistler 130, in Urbersdorf Lehrerin Irene Winkler 123,80, in Punitz Lehrer Adolf Hallwachs 102,89, in Hasen­dorf Schulstuhlmitglied Malits 91, in Neu­stift Schulstuhlpräses Joh. Tapler 88, in Krottendorf Schulstuhlmitglied Vinzenz Taschler 56 und in Kleinmürbisch mehrere Schulstuhlmitglieder 34.

Die Filialgemeinde Tobaj hat den Erfolg der Sammlung noch nicht übergeben, schliesst sich aber nicht aus. Somit beträgt der Schlusserfolg sämt­licher Sammlungen 5017 S und 34 g oder 50,173.400 Kronen. Da die vier Glocken mit allen Zugehörigkeiten auf 57,193 400 K kommen, fehlen noch etwas über sieben Millionen Kronen. Wie es altbekannt ist, wird fast sämt­licher Gottesdienst in der Klosterkirche ab­ gehalten und die Filialisten steuerten zum Geläute nur dieser Kirche bei, in der sie und ihre Kinder die Segnungen der Religion geniessen. Daher hielt es der Schulstuhl für gerecht und ratsam für diese schwerere Glocken zu bestellen, als für die St. Jakobikirche.

Die neuen Glocken wiegen am Klosterturme und zwar die grosse oder St. Francisci Glocke 458 kg und die kleinste oder St. Antoni Glocke 195,5 kg. Am St. Jakobi­turm die grössere oder St. Jakobi Glocke 98,5 kg, die kleinste oder St. Anna Glocke 69,5 kg. Zum Schlusse sei allen geehrten Spendern und Sammlern noch einmal ein tausendfaches Vergelt’s Gott ausgesprochen.

Quelle: Text: P. Gratian Leser (Güssinger Zeitung 20. September 1925), Bilder: Güssinger Zeitung 20. September 1925.

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