Die Perle des Südburgenlandes

Kreuz- Glocke- und Kapelleneinweihung in Rosenberg am 08.02.1925

Am 8. Feber d. J. sah Rosenberg (bei Güssing) zwischen ihren Häusern eine Volksmenge, wie vielleicht noch niemals. Es war anwesend halb Güssing, dann viele von St. Nikolaus, Langzeil, Kleinmürbisch, Inzenhof, Heiligenkreuz, Neustift, Steingraben, Sulz und Gerersdorf. Alle die, bei 3.000 Gläubigen, zog eine, grosse Feierlichkeit dahin insbesondere die Glocke- und Kapelleweihe.

Punkt 1/2 3 Uhr nachmittag führte man unter wohltönenden Musikklänge die Glockenmutter Frau Theresia Csacsinovits zum Sammelplatz beim roten Kreuze an der Hl. Kreuzer-Strasse, wo die zu Ehren der Unbefleckten und des süssen Herzen Jesu einzuweihende Glocke mit herrlichen Kränzen geschmückt der herzerhebenden Festlichkeit harrte. Zunächst hielt P. Gratian Leser eine kurze Ansprache, in welcher er hervorhob, dass das rote Kreuz schon um das Jahr 1650 auf jener Hügelspitze stand, zwar damals noch am Rande des durch den Summer’ischen Wald führenden Hohlwege, bis es im Jahre 1870 anlässlich des Baues der heutigen Hl. Kreuzerstrasse, an die heutige Stätte übertragen wurde. Durch die Errichtung dieses Kreuzes wollten die Altväter ihre Nachfolger an die unendlich erbarmungsvolle Liebe des gekreuzigten Heilandes erinnern und in ihnen eine glühende Gegenliebe zu dem göttlichen Heilande erwecken. Nach der Ansprache weihte der Pater dieses Kreuz ein. Hernach begrüsste das Schulmädchen Helene Beitl mit klaren, lauten Worten die Glockenmutter, wonach unter Absingen der Allerheiligen-Litanei und unter Musikklang, unter Begleitung des Veteranenvereines und eines fast unabsehbaren Volkes die Glocke von vier Rosenberger Burschen zur neueingerichteten Kapelle in die Gemeinde getragen wurde. Hier angelangt ergriff obgenannter Pater das Wort und legte in einer begeisterten Predigt den Ursprung und den Zweck der Glocke aus. Von der langen Ansprache können wir wegen Raummangel nur einige Worte wiedergeben. Wir stehen, sagte er untei anderen, auf einem althistorischen Boden. Das vor Jahren hierorts gefundene steinerne Beil in Verbindung mit den vielen Funden aus der Steinzeit im Günser Gebirg liefert die Gewissheit, dass sich hier viele Tausend Jahre vor Christi Geburt Menschenleben regte und bewegte. Es war das eine Zeit, wo es noch keine christlichen Kirchen gab, wo nirgends Türme emporragten, wo man nirgends den freundlichen Schall der Glocken hörte, wo die Menschen noch in ihrer Wild- und Rohheit dahin lebten und ihre Götzenbilder anbeteten. Das war eine traurige Zeit. Aber so blieb es nicht immer. Eine schönere Morgenröte ging auf und verkündigte den Menschen die Sonne der Gerechtigkeit — Jesum Christum, dessen Anhänger, die Christen, erst im siebenten und noch mehr im elften Jahrhundert die Glocken eingeführt hatten. In Güssing konnten die Benediktinermönche im Jahre 1157 zum erstenmale die Glocken gebraucht haben, wenn nicht, dann ertönten sie hier höchstwahrscheinlich um das J. 1260—1300, wo der heutige Schlossturm und die St Jacobi Kirche entstand.

Gegen den Schluss lobte der Redner den grossen Opfergeist der Rosenberger, die trotz ihrer geringen Zahl durch einmütiges Bestreben um 40,000.000 Kronen eine Glocke und Kapelle anschafften und stellte sie als Beispiel denjenigen vor, die trotz ihrer grossen Überlegenheit an Einwohnerzahl bis jetzt nicht dahinbrachten um wenigstens zum Zusammenläuten eine zweite Glocke zu bestellen. Dann gedachte der Prediger noch der Amerikaner die 62 Dollare 50 Cent zu diesem Zwecke spendeten und äusserte dafür seinen wie der Gemeinde wärmsten Dank und ein tausendfaches Vergelts Gott.

Nach der Predigt sagten die Schülerinnen Theresia Gerger und Elise Tapler laut und mutig gleichsam mit Engelstimmen herzliche Gedichte von der Glocke und der Kapelle auf, wonach der Sängerchor unter Leitung des Herrn Oberlehrers Johann Luipersbeck ein rührendes Lied sang. Zum Schluss weihte der Pater die Glocke und Kapelle ein. Nach dem Aufziehen der Glocke und nach dem Abbeten eines andächtigen „Englischen Grusses“ zerstreute sich die Volksmenge höchst erbaut in alle Richtungen der Windrose.

Quelle: Text: Güssinger Zeitung 15.2.1925, Fotos: Güssinger Zeitung 15.2.1925 und www.nikles.net.

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